Manga Geschichte Teil 1 – Von Chōjū Giga bis Toba-e


Chōjū Giga

Mangas und westliche Comics haben gemeinsam, das beide ihre Ursprünge in religösen Schriften finden.

Doch während die europäischen Mönche hauptsächlich von Jesus und seinen Abenteuern berichteten, beschäftigten sich die Erzählungen der buddhistischen Mönche nicht nur mit dem Lebensweg Buddhas, sondern auch mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Im Prinzip waren sie also schon sehr frühe Satiriker.

Meistens wurden die menschlichen Schwächen überspitzt dargestellt, indem man sie durch bestimmte Tiere symbolisierte, so wie man es zum Beispiel aus Fabeln kennt.

Choju Giga.jpg

Quelle: Wikimedia Commons

Die berühmtesten Schriften dieser Art sind wohl die Chōjū Giga, was frei
übersetzt so viel heißt wie „Bilder spielender Tiere“.

Die 30 Meter langen Schriftrollen wurden während des 12. Jahrhunderts, wahrscheinlich vom Priester Toba aus dem Kouzan-ji-Tempel, erstellt.

Obwohl die Geschichte nicht durch Panelrahmen aufgeteilt wird, kann man ihr dennoch gut folgen, da die Charaktere sich in einzelnen Bildbereichen wiederholen und dadurch quasi durch die Rolle spazieren.

Ukiyo-e

Kabuki Ukiyo-e.jpg

Quelle: Wikimedia Commons

Die ersten Bildergeschichten in Buchform kamen Anfang des 17. Jahrhunderts auf.
Als man herausfand, wie man Holzschnitten Farbe verleiht, konnten die Japaner gar nicht genug von den bunten Bildchen mit dem Namen Ukiyo-e bekommen.

Ein beliebtes Motiv waren vor allem Kabuki-Schauspieler in ihren typischen Posen (Mie) und Szenen aus den Stücken.
Oder es gab zum Beispiel auch Shunga, eine Art „Fortbildungsliteratur für die Junge Braut“.

Natürlich hielt man aber auch klassische Sagen oder beliebte Theaterstücke auf Papier fest.
Meistens band man diese Illustrationsserien in Zieharmonikaform mit Draht zusammen.
Sie enthielten noch kaum Text, waren dadurch schnell zu lesen und meistens warf man sie gleich darauf wieder weg, da sie sowieso nicht teuer waren und man sich jederzeit reichlich Nachschub besorgen konnte.

Durch die große Nachfrage schossen natürlich eine Menge Verlage aus dem Boden.
So entwickelten sich nicht nur eine Menge neuer Ausbildungs- und Arbeitsplätze, zusätzlich wurde auch der technische Fortschritt vorrangebracht, und durch den Konkurrenzdruck wurden die vielen Illustratoren angespornt, sich mit noch extravaganteren Erzähltechniken und Seitengestaltungen voneinander abzuheben und es wurde eine Menge experimentiert.

Hokusai Ukiyo-e große Welle.jpg

Quelle: Wikimedia Commons

Der wohl bekannteste Ukiyo-e Künstler (wenn nicht sogar der
berühmteste Künstler Japans) ist wohl Katsushika Hokusai.
Vor allem seine 36 Ansichten des Berges Fuji oder auch die
Perlentaucherin und der Oktopus sind heute immernoch weit verbreitet
in der Popkultur.
Außerdem ist er bekannt dafür, dass der Begriff „MANGA“ auf ihn zurück
geht, da er seine Skizzenbücher so bezeichnete.
Doch schon bald wurde das Wort ein generelles Synonym für
„humoristische Zeichnungen“. Also noch nicht ganz das, was man heute meist unter Manga versteht.

Kusazōshi

Kuzasoshi

Quelle: Wikimedia Commons

Ebenfalls sehr beliebt waren die sogennanten „Kusazōshi“, zu Deutsch „Allerleihefte“.
Auch hier war vor allem das Thema Kabukitheater sehr populär.
Oft ließen sich die Leute die Hefte bis in die hintersten Ecken des Landes schicken, nur um nochmal ihre liebsten Szenen nachlesen zu können.

Die Sammelausgaben, die etwa aus 10 einzelnen Heften zusammengebunden wurden, wurden mit farbigen Umschlägen versehen, die den Büchern auch ihre Namen gaben.
Wie zum Beispiel Akahon – „rotes Buch“, Ao Hon – „Blaues Buch“ oder Kuro Hon – „schwarzes Buch“.
An ihnen konnte man sofort die Zielgruppe des Inhalts erkennen.

Toba-e

Während die Ukiyo-e-Drucke und die Kusazōshi Bücher eher dazu da waren, vorhandene Texte und Erzählungen zu Illustrieren und die Bilder selbst nicht als Fortlaufende Geschichte lesbar waren, erinnern die im 18. Jahrhundert aufkommenden Toba-e schon eher an so eine Art Comic.
Die kleinen amüsanten Bildergeschichten waren nach Mönchen Toba bennannt, dem Herrn mit den Tierschriftrollen.
Man benutzte zwar noch keine Pannels und Sprechblasen, aber die Seitenaufteilung warenbereits sehr sequentiell und als Abfolge lesbar.

Fortsetzung folgt!

Quellen:

Portner, Peter, Japan – Von Buddhas Lächeln zum Design – Eine Reise durch 2500 Jahre japanischer Kunst und Kultur, Dumont Reiseverlag, Ostfildern, 2006

Knigge, Andreas C., 50 Klassiker Comics, Gerstenberg Visuell, Hildesheim, 2004

Deutsches Filmmuseum (Hrsg.), Ga-Netchu- das Manga Anime Syndrom, Henschel, Berlin/Leipzig, 2008

Cawthorne, Nigel, Ukiyo-e, Battenberg, Regenstauf, 1998

Drager, Thomas, Forster Sarah, Die besten Mangas und Animes, Heel, Konigswinter, 2004

Platthaus, Andreas, Die 101 wichtigsten Fragen – Comics und Manga, C.H.Beck, Munchen, 2008

Gravett, Paul, Manga-sechzig Jahre japanische Comics, Egmont, Berlin, 2006

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