Tutorial: Wie bekomme ich mehr Tiefe ins Bild?


Luftperspektivequadrat

Hier haben wir ein schwarzweißes Bild von einem Quadrat auf einer Wiese. Das Bild rechts daneben sieht im Vergleich dann schon eher aus wie eine dunkle Wand mit einem Loch darin.

Doch warum ist das so? Es wurden doch nur das Grau und das Schwarz ausgetauscht.

luftperspektive.JPGUnser Auge ist daran gewöhnt, dass sehr weit entfernt liegende Gegenstände, wie zum Beispiel die Berge am Horizont, durch verschiedene Einflüsse wie die Luft, das Sonnenlicht oder die Atmosphäre viel viel heller und ungesättigter wirken, als Dinge, die sich nahe vor unserem Auge befinden.

Wenden wir das Prinzip also auf ein Schwarzweißbild eines Waldes an- und färben die vorderen Tannen fast schon schwarz und je näher sie dem Horizont stehen, in einen immer blasser werdenden Grauton.

tannenperspektive

Hierdurch entstehen verschiedene Tiefenebenen an Bäumen.

Diesen schönen Effekt kann man sich auch für alle Arten von anderen Motiven zu nutze machen.

Oft reicht es schon, das Bild auf drei Ebenen hinunterbrechen.landschaftgrau.JPG

Die hinterste Ebene könnte zum Beispiel die vorhin genannte Bergkette sein, deren Grau schon fast so hell ist, wie das des Himmels.
Als nächstes hätten wir die mittlere Ebene, auf der sich das Hauptmtiv befindet.

Die vorderste Ebene– und damit die dunkelste– wird oft dafür verwendet, um dem Hauptmotiv in der Mitte eine Art natürlichen Bilderrahmen zu geben.

Meist reichen schon ein paar in das Bild hineinragende Äste, um ihm viel mehr Tiefe zu verleihen, als es ohne Gegenstände im Vordergrund hätte.
Vielleicht zeigen sie sogar auf die Charaktere und lenken damit das Auge des Betrachters wieder zurück auf das Hauptmotiv.

Tiefenunschärfeunschaerfe

Eine andere Beobachtung, die wir in der Natur machen, wären die undeutlichen, kaum sichtbaren Konturen, die Dinge in weiter Ferne besitzen.
Aber auch Gegenstände, die unserem Auge nahestehen, werden unscharf, sobald man den Blick eher auf mittel-weit entfernte Dinge fokussiert.

tannenunschaft.JPGMalen wir die hintersten Bäume im Tannenbild also sehr weichgezeichnet und lassen auch die Konturen der vordersten Tannen etwas verschwimmen, haben wir das Gefühl, unsere Augen wären quasi auf die mittlersten Tannen scharfgestellt.

kaninchenunschaerfe.JPG

In unserem anderen Bild machen wir es natürlich genau so und machen die Berge im Hintergrund und die Äste im Vordergrund unscharf und lenken damit das Augenmerk noch mehr auf den Hauptinhalt.

Den Effekt, dass weiter entfernte Dinge heller und verschwommener ersheinen, nennt man übrigens Luftperspektive

Farbperspektive

farbenAber Natürlich wollen wir unser Bild auch schön bunt machen!
Sehen wir uns nochmal das Quadrat an.
Irgendwie scheint sich das orangene auf blauem Grund viel mehr in den Vordergrund zu drängen, als das blaue auf dem orangenen Hintergrund, nicht?

blaueberge.JPGBlau verbindet man nicht nur mit der Farbe des Himmels, man ist auch daran gewohnt, dass Berge, die sehr weit weg sind, eine sehr bläuliche Farbe besitzen und schon fast mit dem Himmel verschmelzen.
Das hat damit zu tun, dass wir warme Farben wie Rot auf sehr lange Entfernung nicht mehr gut wahrnehmen können und hauptsächlich nur die kalten Farben wie Blau bei unseren Augen ankommen.

wellenlaengen.JPG

tannenfarbe.JPG

Färben wir also das Tannenbild grün ein, aber machen das Grün der hinteren Tannen bläulicher, also eher Türkis, und mischen den vorderen vielleicht noch etwas Rot bei, um sie wärmer zu machen, wirken die Gruppen gleich noch viel weiter voneinander entfernt.

Diesen Effekt nennt man wiederum „Farbperspektive“

Natürlich funktioniert das ganze auch bei Bildern mit vielen verschiedenen Farben.
Links ist alles einfach nur in den Grundfarben eingefärbt und alles wirkt noch sehr flach, nicht?
Machen wir also die Farben der Berge etwas heller und die Äste wieder etwas dunkler und belegen beides mit einem Weichzeichner.
Nun machen wir alles was hinten ist etwas blauer und geben dafür dem Vordergrund mehr Wärme.
Und schon haben wir alles, was wir heute gelernt haben, bei Monis Landschaftsbild angewendet!

FarbundLuftperspektive

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2 Gedanken zu “Tutorial: Wie bekomme ich mehr Tiefe ins Bild?

  1. Jo Wolf schreibt:

    Hallo Laura!

    Ich zeichne zwar nicht, fand Deine Ausführungen und Erklärungen dennoch sehr informativ und interessant (und ganz schön professionell gemacht! :-))

    Für die Fotografie kann ich diese auch gebrauchen und umsetzen. Danke dafür!

    Liebe Grüße, Jo 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Laura L. schreibt:

      Hallo Jo,

      Freut mich sehr, wenn dir das Tutorial ein bisschen weiterhelfen kann (auch wenn du gar nicht zeichnest :D)

      Tatsächlich sind einige Dinge sogar aus der Photographie/Filmerei entnommen 🙂

      Grüßle,
      Laura

      Gefällt mir

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